Wider den Anglizismen - oder "Make photographs not war..."

Aktualisiert: Nov 2



Immer wieder hadere ich mit der Sprache in der Fotografie.

Es ist oft die deutsche Übersetzung englischer Begriffe, von denen ich der Meinung bin, dass diese durch permanente Anwendung Einzug in die deutsche Sprache halten und damit irgendwann als normal hingenommen wird und zu einer Verwischung der Begrifflichkeiten führt.


So wird aus einem fehlenden Bauteil, der Gattungsbegriff „spiegellose Kamera“. Wenn dies Schule macht, frage ich mich wann Segelboote in „motorlose Schiffchen“ umbenannt werden, oder die guten alten Brettspiele nur noch als „Kommunikationsschnittstellenfreie Freizeitgestaltung“ bezeichnet werden.

Oder ein anderes Beispiel. Jeder deutschsprachige Fotograf weiß wovon beim Begriff „Vollformat“ gesprochen wird. In der Fotografie werden inzwischen so Kameras im traditionellen 35 mm, Kleinbild oder 24 x 36 mm Format bezeichnet. Aber wenn diese Negativgröße für das volle Format, also für das ALLES stehen soll, sei die Frage gestattet, wo denn dieses „Mittelformat“ anzusiedeln sei, und was für eine Rolle das Großformat spielt, und fotografiere ich auf einem APS-C Sensor nicht auf dem ganzen Sensor, sondern nur auf Teilen davon, also auf Teilformaten? Auch wenn sich viele Begriffe inzwischen als Standard etabliert haben, werden diese dadurch nicht richtiger.

Noch schlimmer wird es in der „fotografischen Kriegsführung“.

Früher haben wir mal schnell ein Foto geschossen. Schließlich sind „Shootings“ für Fotografen an der Tagesordnung. Und „Point and Shoot“ also „Zielen und Schießen“ bezeichnet schon wie normal das, was wir gern als Schnappschußkamera bezeichnen. Was übrigens auch aus dem Englischen für Snapshot kommt. Auch wenn der Begriff sich eingebürgert hat, besonders friedlich klingt er nicht. Wie auch das „Flaggschiff“ vom Englischen „Flagship“, welches das Führungsschiff einer Kriegsflotte bezeichnet, erinnert dieser Begriff eher an Krieg als an das Spitzenmodell im Sortiment.

Genau so ging es mir jetzt als mir ein Kumpel von seiner neuen „Run and Gun“ Kamera erzählte. Ein Begriff der im Basketball aber auch in diesen Baller-Videogames benutzt wird. „Rennen und Schießen“ – dies mag den einen oder anderen eher an den Guerilla Häuserkampf, als an einen entspannten Fotowalk, erinnern.

So langsam mache ich mir Gedanken über die sprachliche Entwicklung in der Fotografie, und möchte einmal die steile These wagen, dass sich diese Verrohung der in der Fotografie benutzen Begriffe auch in den Bildern widerfindet. Die Tugenden, die früher die Fotografie auszeichneten werden zunehmend obsolet. Bildschärfe, Abbildungsqualität und Bildgestaltung verändern sich, meiner Ansicht nach oft zum Nachteil, werden dann aber als eigene Bildsprache und Kreativität gefeiert.

Fotografie steht für mich als leidenschaftliche Beschäftigung mit einer Sache, aber doch nicht für Actionspaß im Videogame.

Wenn ich mir die Qualität der alten Meister der Fotografie zum Vorbild nehme, muss ich eingestehen, dass ich wohl auch zum alten Eisen gehöre. Die Fotografie entwickelt sich weiter, aber nicht immer muss das, was als modern gilt auch wirklich eine Weiterentwicklung sein. Ich hoffe nur, dass viele Fotografen traditionelle Fototechnik hochhalten um zu zeigen, wie Haut Cuisine in der Fotografie vor der Macdonaldisierung und der Generation Smartphonfotografie ausgesehen hat.


*Dem Titelfoto habe ich den Namen „Der Jäger“ gegeben. Fotografie hat in meiner Meinung etwas von Sammeln, Jagen und Fischen. Alles Ur-Tugenden der Menschheit, aber Ballern und Krieg haben da nichts zu suchen….

Wolfgang Baus
Fotografie und Text aus Hamburg

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