„Ein jeder kehre vor der eigenen Tür …“



…so sagt ein altes Sprichwort.

Bei meinem traditionellen Neujahrsmorgenlauf durch die Straßen unserer kleinen Gemeinde kam es mir wieder in den Sinn. Überall lagen die Überreste der Nacht auf den Straßen. Leere Flaschen, dessen Inhalt zum Anstoßen auf das neue Jahr diente, und später als Raketenabschußrampen genutzt wurden, standen, im besten Falle als Ganzes, an den Straßenrändern, lagen aber oft als Scherben gemischt mit Sektgläsern neben den unzähligen Überresten des Silvesterfeuerwerks wild herum. Für mich dankbare Motive für mein Langzeit-Fotoprojekt „Der Morgen danach …“, aber für alle anderen einfach ein Ärgernis.


Für mich ist Feuerwerk ein Riesenerlebnis. Als Kind habe ich die kleinen „Piepmanschtsche“ einzeln angezündet, später Böller, schinkenweise vernichtet, und zum Schluss war die Zeit nicht ausreichend all die Feuerwerksbatterien gen Himmel zu jagen. Nun hatte ich Premiere. Das erste Jahr seitdem ich denken kann, habe ich das neue Jahr nicht mit dem Abbrennen von Feuerwerk begrüßt. Und daran ist eine kleine Schwedin nicht ganz schuldlos. Uns allen sollte die jüngste Klimadiskussion nicht entgangen sein. Wir können „Klimaaktivisten“ gegenüberstehen wie wir wollen, nur wir können doch wirklich nicht verkennen, dass unsere Umwelt sich verändert. Und da sollten es doch gerade die Älteren unter uns sein, die feststellen, dass weiße Weihnachten der Vergangenheit angehören, Sommermonate immer mehr eine Zeit der Dürre werden, und Unwetterlagen stetig zunehmen. Das Klima ist im Wandel, und es wird Zeit darauf zu reagieren. Wenn ich in einem Artikel lese, dass in der Silvesternacht genau soviel Feinstaub erzeugt wird wie in zwei Monaten durch den Autoverkehr, und die Stadtreinigung in Hamburg am Neujahrstag 10 Tonnen Feuerwerkmüll (nur an den Brennpunkten der Nacht) sammelt, wird es Zeit zu Nachdenken.


Aber zurück zu meinem Neujahrsmorgenlauf. Auffällig war die Mülllage in Abhängigkeit von der Wohnform. Vor Mehrfamilienhäusern waren die Überreste der Nacht verhältnismäßig stark vorhanden. In Gegenden mit überwiegend geringeren Wohnkosten wurde der Müll oft einfach achtlos liegen gelassen, vor Mehrfamilienhäusern in vermeintlich teurerer Wohnlage wurde der Müll zumindest am Straßenrand gesammelt, und vor der Mehrzahl der Einfamilienhäuser wurden die Überreste auf dem eigenen Grundstück zusammengetragen und der öffentliche Raum vor der eigenen Tür, spätestens im Laufe des Vormittags ordentlich gereinigt.

Es ist augenscheinlich, überall dort wo ein eigenes Interesse besteht, wird sich auch gekümmert, ansonsten scheint die Meinung vorzuherrschen "Irgendjemand wird sich schon um meinen Dreck kümmern...". Und damit bin ich bei der Verantwortung für sich und seine Umgebung. Es bringt nichts darauf zu verweisen, dass der Nachbar, doch erst mal vor seiner Tür für Ordnung sorgen solle. Jeder ist für seinen Kram selber verantwortlich. Das heißt dann auch, jeder sollte für sich und seinen Bereich Verantwortung für die Umwelt übernehmen. Es nützt nichts über die ach so bösen „SUV-Fahrer“ zu schimpfen, aber sich jedem Morgen seinen Kaffee im Plastikbecher zum Mitnehmen zu kaufen. Es bringt auch nichts, Freitags aus Protest dem Unterricht fern zu bleiben um für die Zukunft zu demonstrieren, aber gleichzeitig aufwändige Studienreisen per Flugzeug zu begehen.

Es scheint in den Genen des Deutschen Volkes zu liegen alles zu reglementieren und auf Gesetze zu warten, die das Zusammenleben regeln. Aber wo bleibt der gesunde Menschenverstand?


Jeden Morgen kommt es vor den Schulen der Städte zum Verkehrschaos, wenn überbesorgte Eltern ihre Kinder mit dem Auto am liebsten in den Klassenraum fahren würden. Weil man oft ja spät dran ist, wird die Geschwindigkeitsregelung vor Schulen, meistens mit 30 km/h, dann doch gern einmal ignoriert, und weil es danach eilt, wird vor der Bäckerei auf dem Arbeitsweg schnell mal in zweiter Reihe, und damit auf dem Radweg, geparkt, und bei laufendem Motor schnell der Morgenkaffee rausgeholt. Ja und freitags trifft man sich im angesagten Kaffeeschnellrestaurant um anschließend gemeinsam für eine bessere Zukunft zu demonstrieren. Wirklich nur ein Klischee?



So, und dann bin ich wieder vor der eigenen Tür. Aus Respekt vor der Umwelt (Mensch, Tier und Natur) habe ich dieses Jahr nicht geknallt. Auch dieses Jahr werde ich aus eben diesen Gründen meinen persönlichen Abdruck der Umweltbelastungen so gering wie möglich halten. Ich denke, wenn jeder dies auch für sich versucht, ist eine ganze Menge gewonnen. Es bringt nichts auf die große Lösung und Gesetze zu warten, jeder kann vor der eigenen Tür kehren ….



Wie schon geschrieben verfolge ich ein fotografisches Langzeitprojekt. Eine Auswahl der Bilder zeige ich hier.


„Der Morgen danach, oder was überbleibt“








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Wolfgang Baus
Fotografie und Text aus Hamburg

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